Better than Nothing Spring Tour 2010

Tourbericht Better than Nothing Spring Tour 2010

Liebes Tour-Tagebuch…

Eins vorneweg, das ist ein Tagebuch unserer Tour. Ich will hier keinen langweilen, einiges was hier beschrieben wird fällt definitiv unter „Situationskomik“. Dazu kommt, dass man sich auf so einer Tour anders verhält als wenn man sich mit normalen Tätigkeiten beschäftigt, glaube das ist ungefähr wie in einen Krieg zu ziehen, nur im positiven Sinne gesehen natürlich. Wen das nicht stört und wer jetzt neugierig ist, viel Spaß beim Lesen.

Freitag
Am Freitag dem 5. März ging es endlich los mit der ersten, offiziellen, „Better than Nothing-Tour 2010“ der Band a State of Grace. Den Auftakt gab‘s in Hanau im AKZ Metzgerstraße, einem unserer heimischen Clubs. Dort trafen wir, (es sollte das letzte Mal für eine Woche sein) neben den beiden anderen Bands Straftat und Die Traktor auch auf unzählige Freunde und Bekannte, die in Strömen unsere neue Erfindung „Poesiealbum“ ausgiebig entjungferten.
War ein sehr cooler (feuchtfröhlicher) Abend, der ein ausgiebiges Mittagessen vor der richtigen Abfahrt am nächsten Mittag bei Mama-Cornelius zur Folge hatte.

Samstag
Der Tourbus (vielen Dank an Andy und Paul von LSD-Trips) hatte leider etwas Verspätung, aber nach kurzer Tetris-Action haben wir festgestellt, dass tatsächlich unsere ganze Backline in einen VW reinpasst.
Erste Station war das AZ Mülheim (an der Ruhr). Wunderschöne Location, die aus einem ehemaligen Reitstall errichtet wurde. Gespielt wurde mit Isolation und Die schwarzen Schafe. Hinterher gab‘s neben leckeren veganem Essen (Banausen nennen es auch „Reis-mit-Scheiß“) lustig Schnaps, was dazu führte, dass Sepp, Toto und Julia jede Menge Spaß mit einem (von uns so getauften) „Kackstuhl“ hatten (Fotos nur auf Anfrage). Corni hat in dieser Zeit was Sinnvolles gemacht und Conn(y)ections geknüpft, weiß aber keiner mehr so genau. Interessante und lustige Gespräche mit Takko (die Story zu seinem Namen is‘ echt gut) von Isolation und den Jungs von den Schafen wurden jäh unterbrochen, als es zwischendurch zu einem sehr lustigen „Spuck-Anfall“ von Sepp kam, um den sich der Ortsansässige Tobias jedoch gleich verantwortungsbewusst gekümmert hat (mit Handschuhen, versteht sich). Vielen Dank dafür, aber ein noch größerer Dank an die beiden Veranstalter Juri und Matze und Chefkoch Andy. Uns wären fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als wir in unsere „Übernachtungsresidenz“, dem Bandhaus, gebracht wurden, wo es gepflegte Zimmer, Bad und WC gab. Da wir als Band dazu neigen, nach den Shows mit Übernachtungen auch gemeinsam Zähne zu putzen, blieb es nicht aus, dass im Bad Faxen veranstaltet wurden und wir uns wie kleine Kinder über die drei karierten Schlafhosen von Sepp, Toto und Julia freuten. Schlechter weg kam Cornis feuchte, kurze Hose, die weißen Kackstelzen mit Badeletten auf Socken. Action-Fotos gab‘s dann auch noch und Tobi entdecke seine Liebe zu Klorollen. Nachts hat der Corni übrigens geschnarcht wie ein ganzes Sägewerk, was ihm Julia sehr übel genommen hat. Ihre wüsten Drohungen und Beschimpfungen wurden von Toto mit einem Lachen quittiert und von Corni – nicht wahrgenommen, der hatte nämlich Ohrstöpsel drin (warum eigentlich? Selbstschutz?). War trotz allem ein sehr cooler (feuchtfröhlicher) Abend.

Sonntag
Der nächste Morgen begann mit einem fußballpöbeligen „ihr Hessen, kommt endlich zu Essen!!!!“, aber gut gemeinten Weckrufen und Türklingeln eines jungen Mannes mit roten Haaren, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Selbiger hat auch die Schmutzschicht auf unserem Tourbus versucht zu bereinigen, schrieb dann aber vor lauter Erfolglosigkeit „saubär“ drauf. Dafür konnte er prima mit Hunden sprechen (was hat der nochmal zu der Töle gesagt?).
Nachdem wir uns alle berappelt und gewaschen hatten, gingen wir zur veganen Frühstückssession – einer super Erfindung in Mülheim. Dort konnte jeder, gegen einen freiwilligen Obolus, essen was er wollte, wobei sogar Julia feststellen musste, dass frittierter Hirsebrei fast so schmeckt wie Hühnchen. Wie immer wenn wir zusammen essen, wurden auch dort viele Faxen veranstaltet, was hier und da mit einem Tusch aus Teller und Glas gewürdigt wurde (babamm-ding).
Schweren Herzens lösten wir uns aus dem Paradies und beschlossen, da wir Offday hatten, unseren alten Kumpel Gregor in seinem neuen Anwesen im Odenwald zu besuchen. Dort waren wir überrascht, welch seriöse Gaststätte Gregor und Lydia von einem dort ansässigen Fürsten (Euer Durchlaucht von Lüttichau) erworben hatten. Nach einem zünftigen Abendbrot, Kinderschnitzel für Corni und Toto – Braten für Sepp und Julia, merkten wir nach diversen Schnäpsen, dass die beiden aber noch ganz die Alten waren. Bei dieser Gelegenheit lernten wir auch Martin, den Bassbauer kennen, der sich unserer Plauderei willig anschloss.
Übernachtet wurde dann wie folgt: Sepp und Julia im fertigen Pensionszimmer (das mit der funktionstüchtigen Heizung), Toto allein im fertigen Pensionszimmer (das ohne funktionierender Heizung) und Corni (der mit dem lautem Atmen) im unfertigen Pensionszimmer (das mit der Matratze auf dem Boden…hähä).
Vorher ließen es sich Julia und Sepp allerdings nicht nehmen mit Corni ein lustiges Suche-was-fehlt-Spiel zu spielen (anderen auch bekannt als „Toto-in-den-Schrank“). Nachdem dieser dann wieder aus seinem Antiquitäten-Gefängnis befreit wurde, nahm auch diese Nacht ein Ende.
War insgesamt gesehen ein sehr cooler (feuchtfröhlicher) Abend.

Montag
Am nächsten Morgen wollten die Jungs sich was Gutes tun und beschlossen eine Schneewanderung (im Odenwald hat‘s nämlich geschneit wie die Sau, was auf den Serpentinenstraßen mehr als abenteuerlich war) zum Schloss des Fürsten im schottischem Stil, welches heute als Sanatorium genutzt wird, zu unternehmen (ca. 45 Minuten zu Fuß). Unterwegs wurden sie von Bewohnern prompt als Fremde enttarnt und auf das Mittagessen um 12 Uhr hingewiesen.
Vom langen Marsch schwer gezeichnet und mit glühenden roten Ohren kam Sepp zurück auf’s Zimmer um Julia abzuholen, die in dieser Zeit etwas Sinnvolles getan hat: Haare waschen.
Kurz bevor die Hühner fertig gesattelt waren kam eine schlechte Nachricht vom nächsten Veranstaltungsort in Freiburg. Der Gig am Abend wurde wegen eines tragischen Vorfalls leider kurzfristig abgesagt.
Nach langem Überlegen fuhren wir dann erstmal nach Heidelberg, wo wir plötzlich feststellten, dass wir noch nichts gegessen hatten und erstmal einen Dönerladen überfallen mussten. Ohne die Montagsshow beschlossen wir dann, etwas früher als geplant, zu Cornis Schwester Mareike und ihrem Freund Urs in die Schweiz zu fahren. Unterwegs wurde zum Schmökern noch schnell die Bravo gekauft und da es sich um ein Poster-Spezial handelte, hatten wir auch gleich was zum dekorieren des Busses. Dabei ist aufgefallen, dass wir musikalisch überhaupt nicht up-to-date (wie die Kids heute sagen würden) sind (wer zB ist die dritte Person auf dem Poster des Duos Hanna Montana und überhaupt: „who the hell“ ist Justin Bieber?!). Als Gastgeschenk musste beim Rewe aber zuerst noch ´n Kasten deutsches Bier gekauft werden und weil wir schon mal da waren, konnten wir auch unsere, schon etwas erschöpften, Vorräte erneuert werden. Vor der Grenze bekam der Sepp dann noch ein schlechtes Gewissen, weil er seine Mitbewohnerin mit ausgefallener Heizung zurückgelassen hatte und rief dort sicherheitshalber nochmal an. Völlig problemlos kamen wir über die Grenze und waren pünktlich zu Urs‘ Abendessen in Düdingen. Da die Schweizer sehr gastfreundlich sind, führte uns der Hausherr seine umfangreiche Schnapssammlung vor, was dazu führte, dass er sich selbst (mit tatkräftigem Beistand von Julia) im Laufe des Abends mit diversen Obstbränden ziemlich hinrichtete. Dazu gab es für die Jungs wieder mal ganz neue Wörter zum lernen: Ransereiße‘ und Verteiler, alles keine Worte aus der Schweiz…
Die Bettkonstellation heute: Corni im keim ­ weil Katzenfreien Einzelzimmer. Sepp und Toto im ramontischen Doppelbett (das durch bösartige Gewalt des Bassisten am nächsten morgen erstmal zusammenbrach) und Julia, ebenfalls im Einzelzimmer, zusammen mit Mareikes beiden Stubentigern Fanny und Mia. War, um es kurz zu machen, ein sehr cooler (feucht-fröhlicher) Abend.

Dienstag
Den nächsten Tag begannen wir mit ausgiebigem Frühstück und eine halbe Stunde später mit einem noch ausgiebigerem Mittagessen (seitdem sah unser Tourbus von außen aus wie tiefer gelegt). Danach gab es eine strikte Arbeitseinteilung: Corni und Sepp machen zwei Gigs für Mittwoch und Donnerstag klar und Toto und Julia spielen Kniffel, gucken TV und lesen. Riesending, hat sogar geklappt. Abends dann „same procedure as ever day“, wobei wir dieses Mal gemeinsam sehr nerd-like Videos auf Youtube geguckt haben und damit unseren bisher einzigen Tour-Running-Gag („Ahhh er/ sie hat %$&?/! gesagt, huah, huah“) auf einen weiteren ergänzt haben („Och Menno, Rrrappanntö, hass da hahn hahrab, de Maulwurf hier“). Dazu ist vielleicht noch zu erwähnen, dass sich einige von uns nach der Tour, beispielsweise bei Gesprächen mit ihrem Chef, sehr zusammenreißen mussten, um nicht dauernd zu sagen „Ahhh, er hat reinstecken gesagt“. War, alles in allem, ein sehr cooler (feuchtfröhlicher) Abend, wobei, nee, hat sich eigentlich in Grenzen gehalten.

Mittwoch
Schweren Herzen mussten wir uns von unseren beiden Herr Herrbergsvatern verabschieden, um nach Tübingen zu fahren, wo wir abends in Epplehaus mit den beiden ungarischen Bands New Dead Project und Think Again auftreten sollten. Nachdem die Jungs noch einmal gecheckt haben, dass Julia nicht versehentlich eine der Katzen in den Bus gepackt hatte, ging es Richtung Grenze.
Dort hat es sich wie folgt zugetragen: Ein junger, ambitionierter Zöllner, musterte den Bus und fragte „höflich“ wo wir denn herkommen, worauf der Corni unbedingt grinsend mit „Aus der Schweiz“ antworten musste. Daraufhin wurden die Persos verlangt und als der Corni zu allem Überfluss erst den Schlüssel fallen gelassen und dann noch einmal die Karre abgewürgt hat, mussten wir erstmal neben ranfahren. Zu Julias Pech hatte auch der zweite, ältere Zöllner, keinen Oliba, worauf sie den alten Gossenhauer an Schweizer Grenzen nicht anbringen konnte („Ey, geile Bürste“, für mehr Hintergrundinfos siehe das Buch „Wo die wilden Maden graben“ von Nagel – Sänger von ehemals Muff Potter). Untersuchung nach Rauschmitteln sollte gemacht werden, am besten gleich alles freiwillig rausgeben, wird sowieso gefunden…verhaltenes Gelächter aus den hinteren Busreihen. Sepp löste die Sache konsequent, indem er wortlos ausstieg und den Ladebereich öffnete, wo ihm neben den ca. 30 Gepäckstücken erstmal ein Schlafsack entgegenflog. Der Spruch: „Naja wir haben da ein paar Instrumente dabei…“ und der fassungslose Blick des älteren Zöllners sprach Bände. Ohne Hund wird nix gefunden. Der jüngere versuchte es nochmal verzweifelt: „Äh…ja…und ihr habt echt nix dabei?“, wieder dieses Gelächter. Also noch mal sporadisch Julias Handtasche gecheckt (ohne das Pfefferspray zu finden) und im Bus Jacken und Halsbonbons genauestens untersucht. Mit einem netten „Gute Weiterfahrt (ich weiß genau ihr Ärsche hattet bestimmt irgendwo was versteckt)“ ging es dann problemlos weiter nach Tübingen, wo wir von Annabel und Benji sehr nett empfangen wurden. Vorher rief nochmal die Mitbewohnerin vom Sepp an und erklärte ihm die Sachlage der Heizung, bis sie feststellte, das der Corni am Telefon war, was uns alle, die wir schon reichlich abgestumpft waren, sehr bespaßt hat. Nach kurzem tete-a-tete mit dem benachbarten Gemüsehändler, wo es um Parken und Grundstücksgrenzen ging, haben wir schon mal aufgebaut. Gig war cool, die beiden anderen Bands auch. Es gab sogar eine weitere Schlagzeugerin (Think Again) an diesem Abend, von der Sepp unbedingt ein Foto zusammen mit Julia machen wollte (so war das nämlich und wer was anderes behauptet Lügt). Leider sprach sie nur schlecht Englisch und was ein Actionfoto ist, hat sie irgendwie falsch verstanden…
Gepennt wurde im 4. Stock der Location, wir im kleinen Vierbettzimmer mit Etagenbetten, die beiden anderen Bands auf großem Matratzenlager. Einer der Ungarn ließ es sich aber nicht nehmen, auf dem WC noch einen kleinen Kollateralschaden zu hinterlassen, was dieses noch ewig unbenutzbar machte.
War, alles in allem, ein sehr cooler (feuchtfröhlicher) Abend.

Donnerstag
Julia schlief in dieser Nacht zum ersten Mal mit Oropax und hatte am nächsten morgen, als eins fehlte, Angst es verschluckt zu haben. Für Frühstück war gesorgt und nachdem alle gewaschen und der Bus beladen war, gab es erstmal einen kleinen Stadtrundgang, da die nächste Location in Waiblingen quasi die Ecke lag. Die Altstadt in Tübingen war ganz schön, wir haben, sehr zur Belustigung einiger Passanten, ein paar schöne Souvenierfotos geschossen und ein neues Freundebuch gekauft, da das Alte schon vollgekrakelt war (ebenso Sepps offizieller Tourbecher, der eigentlich der Pia (seiner Mitbewohnerin) gehörte und das gar nicht mal so cool fand..). Nachdem wir aber die Enten am Fluss und die Tauben in einem Taubenhaus bestaunt hatten, beschlossen wir erstmal zu „Chinees‘“ was essen zu gehen, was auch sehr lecker war. Sepp, der alte Angeber hat gleich mal die Thekenschlampe angefordert und Stäbchen verlangt. Leider hat er keine Sauerei gemacht, wie die anderen es erwartet hätten. Danach gings ab nach Waiblingen, eine sehr schöne und vor allem architektonisch sehr hochwertige Stadt. Dort haben wir uns was Gutes getan und in einem Jugend-Gästehaus Übernachtungsplätze gebucht. Zwei Doppelzimmer. Nach kurzem überlegen an der Rezeption, wer mit wem, entschied Corni: „Sepp, du kannst mit Oropax umgehen“, was bei diesem noch für längere Zeit ein langes Gesicht und bei den anderen beiden und der Empfangsdame ein erleichtertes Schmunzeln verursachte.
Auf zum Gig in der Villa Roller. Nach drei Runden um den Block haben wir festgestellt: Es gibt hier keine Parkplätze und zum Entladen muss man sich an einer großen Kreuzung auf `nen Fußgängerweg stellen und hoffen, dass vorbeifahrende Polizisten nicht merken, dass wir nicht mal ne rote Plakette haben. Erster Minuspunkt. Die Location an sich war erstmal super. Coole, umgenutzte Villa, schöne Räume, Bar, Bühne, Technik. Pluspunkt (auch weil die Bühne selbst dekoriert war wie ein Wohnzimmer). Der Mischer verhielt sich etwas merkwürdig, da er erst die Kabel in den Weg legte bevor Julia ihre Drums aufgebaut hatte, hinterher kam raus, er ist der dortige Sozialpädagoge…(böse Zungen würden jetzt schreiben „wen wundert das“, aber naja, wir sind ja nicht böse). Die andere Band schlägt auf, super Jungs aus der Umgebung, bei der schlagartig die Chemie stimmte. Aber wir hatten wenig Zeit für Geplänkel, Soundcheck und anfangen, weil der Laden um Zehn wieder zu sein muss (hä? Minuspunkt!). Da der Laden so schön ist, hat man vor lauter Entzückung wohl auch vergessen Werbung zu machen, dementsprechend war auch das Publikum. Zwischendurch waren mal ein paar coole Streetfighter-Kids da, die von der Bardame veräppelt wurden und wieder verschwanden bevor (!) wir gespielt haben. Die jeweils andere Band war Zuschauer und konnte während der Show der anderen Fertigpizza futtern. An diesem Abend hätte sich Julia übrigens zum ersten Mal was veganes gewünscht, da dort automatisch auch kein Käse drauf oder drin ist. Fluchtartig haben wir abgebaut und vor der Tür mit den anderen Jungs gerätselt wo man an diesem angebrochenen Abend (nein, Sepp hat nicht schon wieder gereihert, die alte Brechbüchse…) noch nen „Absacker“ trinken kann. Und gleich noch’n Neues Wort, dass die Jungs nicht kannten „Rindsriemen“, kommt aber eigentlich nicht aus Waiblingen… Dazu gleich ein lustiger Vorfall: Sepp hat von seiner Donnerstags-Abend-Freunden, die es sich bei ihm Zuhause gemütlich gemacht hatten, eine schöne Serie von SMS bekommen, die uns sehr gefreut hat.
Also erstmal den Bus in der Nähe der Pension geparkt und wieder mal den polnischen Plakettentrick angewendet: Sonnenschutz fest auf die Scheibe pressen und in den vorderen Türen einklemmen. Damit es richtig Gangster ist, haben wir nicht mal nen Parkschein gelöst, da soll nochmal ein eierloser Bombenleger sagen wir seien Kasper, so! Danach haben wir mit halb The Average ein Irisch Pub gestürmt, wo wir erstmal vom Herr Wirt eher unfreundlich empfangen wurden. Nach gegenseitigem beschnuppern war das Eis gebrochen und die hungrige Julia konnte mittels ihrer charmanten Art dem Wirt Bobby sogar noch eine kalte Platte mit Brot, Senf und Pfefferbeißern aus den Rippen leiern. Sepp hat auch etwas von dem Brot abbekommen, wahrscheinlich nur um zu zeigen, dass er mittlerweile (seit kurzer Zeit) auch Brot ißt, ohne vorher von Mutti die Rinde abgeschnitten zu bekommen (wenn du deiner Mutter sagst, dass ich das hier geschrieben habe, muss ich dir wehtun!).
Trotz der eher unüblichen Gigbedingungen (hab ich erzählt, dass wir eigentlich nur zufällig einen Mischer da hatten?) war es dann doch ein sehr geselliger (feuchtfröhlicher) Abend. Und zumindest Toto und Julia konnten in aller Ruhe schlafen.

Freitag
Aber nicht sehr lange, da wir am Freitag nach Berlin fahren wollten.
Obwohl Toto mal wieder stundenlang brauchte, um sich die Haare zu waschen, waren Julia und er noch vor den beiden anderen Nasen am Frühstücks-Buffet, dass wir alle sehr genossen haben. Danach ging es recht hurtig los. Julia hätte gerne noch ein paar Fotos gemacht, aber nachdem wir wieder mal Öl gecheckt und den Motor angelassen haben, ist eine derart stinkende Wolke entstanden, dass wir beschlossen, lieber schnell das Feld zu räumen und das schöne Städtchen Waiblingen hinter uns zu lassen.
Die Fahrt nach Berlin dauerte ne Weile und war bis auf einen kurzen Mittagsessenhalt an einer schönen Raststätte eher unspektakulär. Dort trafen wir auf eine andere Band deren Sänger im ersten Moment aussah wie der Kerl der grad immer auf Mysscheiß zu sehen ist: Jan Delay, war er aber gar nicht. Trotzdem hatten die ihren schicken Tourbus direkt neben unserem geparkt und sich sicher tierisch über unsere Rübe gefreut…Grrr.
In Berlin angekommen stellten wir fest, dass wir im 2. Stock spielten, d.h. erstmal ist sportliches Treppensteigen angesagt. Nach kurzer Kennenlernaktion mit Dispotion und Y-Tonx bauten wir auf und hingen bis zum Gig im gemütlichen Backstage ab, der im Prinzip eine 2. Ebene über der sehr hohen Küche war. Essen gab‘s auch was leckeres, diesmal nicht vegan, aber bis Julia ihre Drums gecheckt hat, hat unser Quotenvegetarier Toto das letzte Hackfleisch verdrückt…Eule!
Damit es nicht langweilig wurde, haben wir beschlossenen, zwischendurch den Corni zu penetrieren, der nicht stundenlang das Klo belagerte, wie wir erst dachten, sondern versuchte, ungestört mit seiner Freundin zu telefonieren. Das wurde schnell im Keim erstickt (auch Anrufe von besorgten Eltern wurden während der Tour generell schnell ins Lächerliche gezogen…hähä), stattdessen riefen wir die N!cole an, die hatte nämlich Geburtstag, sehr lustig. Ansonsten wie immer: Vorher plaudern, Gig zocken, nachher plaudern, Cocktails, Bier und Co.
Geschlafen wurde heute in Neukölln beim Yannick in der WG, unserem Herbergsvater. Bei ihm lernten wir Nachts noch seine beiden Partylaunigen Mitbewohner kennen und beschlossen, den Corni zumindest für diese Nacht bei uns im Zimmer zu dulden, damit er nicht in der Küche auf dem Boden schlafen muss. Aber nein, wollte er nicht und mit wenigen strengen Sätzen hat unser Herr Herbergsvater alle aus der Küche verscheucht, damit man dort übernachten kann. Yannick selbst schlief bei uns (in seinem eigenen Zimmer) und schnarchte leise, was aber nicht störte, da mittlerweile alle mit Oropax bewaffnet waren.
Wieder ein schöner erfahrungsreicher (aber für Teile der Band feucht-fröhlicher Abend).

Samstag
Vorletzter Tag der Tour und bevor es zu spät sein sollte beschlossen wir uns schnell zu waschen und aufzubrechen, um einen dieser berühmten Berliner-Billig-Döner zu essen, die es angeblich an jeder Ecke geben soll. In Neukölln etwas ansehnliches zu finden wo man sich auch rein traut erwies sich als schwieriger als geplant. So waren wir ne Weile zu Fuß unterwegs, was bei dem ganzen Sitzen im Bus aber auch nicht weiter schadete. Fündig wurden wir dann doch und es war, wie erwartet großartig (außer für den, der so schlau war einen völlig überteuerten Dönerteller zu bestellen…haha). Danach ging‘s zurück zu unserem Van, der rein optisch auf seinem Parkplatz gar nicht weiter auffiel, und einmal quer durch die Stadt zum La Casa. Sehr cooler Laden mit allem, was sich eine Band für einen Club wünscht: Backstage mit Duschen, WCs, kleiner Küche, Aufenthaltsräumen und einem riesigen Schlafraum mit ca. 20 Betten.
Da wir‘s heute nicht weit hatten, konnten wir in aller Ruhe die Backline aufbauen, was essen und Kniffeln. Wie fast immer wenn wir zusammen essen kam auch hier wieder ne Menge Spaß auf, bei der der Corni vor lauter Erraschtheit sein Getränk auf den Tisch geprustet hat (warum weiß keiner mehr so genau, außer ich, aber ich würde das jetzt nicht mehr erzählen wollen). Hinterher musste Julia erstmal ne Lieblingsfreundin anrufen, um wieder mal normalen Umgang zu haben, wobei sie selbst hoffentlich keinen allzu schlechten Eindruck hinterlassen hatte.
Die Show war an sich cool, waren einige Menschen da, obwohl wir angefangen haben, aber in Berlin scheint einiges andersrum zu laufen, Glück für uns! Hinterher haben wir beschossen am nächsten Tag Sprit zu sparen und deshalb alles Mögliche was wir noch an Getränken hatten zu vernichten, um den Bus nicht unnötig zu belasten. Auch unser Bandgetränk, eine Flasche Waldmeister-Cräm, die der Corni aus Sicherheitsgründen vor den anderen eine ganze Woche lang versteckt gehalten hatte, kam bei dieser Aktion unter die Räder. Dabei half uns der Tobi, was uns sehr gefreut hat, da wir ihn am Tag vorher in der Potse kennengelernt haben (er veranstaltet dort mit) und er uns versprach am Samstag nochmal vorbei zu schauen. Generell hatten wir an diesem Abend sehr viel Spaß auch mit den beiden anderen Bands: 3-Apes-Band und Motorcycle Motherfeed, beides eher aus der Funk-Ecke kommende Bands, die zusammen unterwegs waren (Leipzig). Irgendwer hat an diesem Abend noch gespielt, aber ich glaube die hat kaum wer so wirklich kennengelernt, da sie erst um Elf kamen, Backline komplett benutzt haben und hinterher auch promt wieder verschwanden. Auf dem Flyer stand jedenfalls, ach, wasweißich, guckt selbst.
An sich war der letzte Abend der Knaller überhaupt, da wir von allen Seiten, besonders den Veranstaltern (das gilt für die Gesamte Tour) nett empfangen wurden.
Da keiner mehr groß Rücksicht auf Verluste nehmen musste, fiel der Abend entsprechend destruktiv aus, was man zu späterer Stunde an Sepps Nacken deutlich sehen konnte (nur soviel: er reagiert allergisch auf Mischgetränke…). Also auch wieder feuchtfröhlich und alles.

Sonntag
Der nächste Morgen war die Hölle. Bandnazis beschlossen, trotz kuscheliger Unterkunft und durchzechter Nacht um Elf Uhr Abzufahren. Auf Cornis Befehl hin, Julia zu wecken, hat Toto einfach wie ein Idiot an ihrem Bett gerüttelt, was zur Folge hatte, dass sie ihn am liebsten in der Luft zerrissen hätte, wenn sie vollständig wach geworden wäre. Dafür waren die beiden anderen Bands dann auch wach. Aber etwas später, als der Corni es noch einmal versuchte, konnte sie auch der Wunsch, einfach zurückgelassen zu werden, nicht retten und sie musste aufstehen. Nach kurzem Frühstück, bei dem wir die Eier-Back-Kunst von Károly bewundern konnte ging es dann wieder gen Heimat. Der Rest war relativ unspekatulär, sind lange Auto gefahren und so ca. gegen Drei Uhr Verkündete Toto, dass es ihm ab jetzt wieder gut geht. Irgendwann haben Julia und er ihre gesammelten Pinkelmärkchen gegen ein paar dicksen-Sandwiches eingetauscht, was den Corni und den Sepp einfach neidisch gemacht haben muss, auch wenn sie es nicht zugeben wollten.
Nach einem kurzen Verraffer auf der Autobahn packte unser TomTom gleich noch ne halbe Stunde mehr auf die Zielankunft drauf, aber am späten Nachmittag hatten auch wir es dann geschafft und waren pünktlich zum Tatort wieder in heimischen Gefilden.
In dieser Nacht waren sicher alle, von uns leicht geflasht von der Stille und Einsamkeit, die einen plötzlich umgibt, wenn man auf einmal nicht mindestens einen der drei Chaoten um sich hat, mir ging es jedenfalls so.
Abschließend kann man sagen, dass wir in diesen Tagen unheimlich viel Spaß hatten und sehr viele nette Leuten kennengelernt haben. Vielen Dank an alle die uns bei der Planung und Durchführung dieser Tour geholfen haben, damit können wir später, wenn wir alt und häßlich sind, unsere Kinder noch nerven.
Alle weiteren Erlebnisse, die ich hier nicht erzählen darf, wie z.B. düstere Drogensessions, wilde Schlägereien und dreckige Sexorgien fallen unter den Passus: What happens on tour stays on tour
(Geheime Details gegen angemessene Bezahlung auf Anfrage).

Geschrieben von Julia.

Zurück

Die Kommentare sind geschlossen.